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Die Stille, die ich bin

21. Oktober 2016
Die Stille, die ich bin - Blogparade

Als mich Meike Jürgensen vor zwei Wochen zur Blogparade „Stille, die der Mensch ist“ eingeladen hat, war mein erster Gedanke: „Was für eine schöne Idee!“ – dicht gefolgt von: „Keine Ahnung, wann ich die Zeit finde, darüber zu schreiben.“ Nachdem wir uns nämlich Anfang Oktober ein paar Tage Auszeit gegönnt haben, sind einige Dinge liegen geblieben. Also hieß es erst einmal: aufarbeiten und den eben erst freibekommenen Kopf wieder mit alltäglichen Dingen füllen. Von Stille war da erst mal keine Rede.

Und das meine ich durchaus wörtlich, denn in meinem Kopf geht es im Grunde ständig zu und her. Ich wache auf und denke. Ich überlege mir, was am Tag ansteht und wie ich das alles am besten unterkriege. Ich schmiede Zeit- und Ablaufpläne: Was kann ich vormittags erledigen? Was geht sich am Nachmittag aus? Und was kann ich, wenn ich grad dran oder unterwegs bin, schnell noch „mitmachen“ – sozusagen in einem Aufwasch? Damit nicht genug zerbrech ich mir nicht selten auch den Kopf des Erbsenprinzen – obwohl er mich noch nie darum gebeten hat. Aber wenn ich grad dran bin…
Das morgendliche Grübeln geht dann untertags munter weiter – meine Shiatsu-Praktikerin hat sogar gesagt, dass sie regelrecht spüren kann, was da in meinem Kopf abgeht. Zum Glück kann ich abends meist ohne Probleme einschlafen und lieg nicht noch mit hunderttausend Gedanken stundenlang wach im Bett herum. Vielleicht weil mein Hirn vor lauter Denken tagsüber einfach nur müde ist?

Wie auch immer, Fakt ist: Die Stille, die ICH bin, ist leider gar nicht so still.
Außer ich bin auf der Yogamatte. 

Da schaffe ich es abzuschalten, mich nur auf mich, meinen Atem bzw. die Ujjayi-Atmung und den Drishti zu konzentrieren. Natürlich gibt es Tage, an denen das nicht so gut funktioniert. Tage, an denen, kurz bevor ich die Matte ausrolle, noch ein Anruf reinkommt, ein Mail eintrudelt oder sonst etwas vorfällt. Oder Tage, an denen insgesamt einfach zu viel passiert ist. Dinge, die mich davon abhalten, bei mir selbst anzukommen und für eine gewisse Zeit gedankliche still zu sein. Doch diese Tage werden immer seltener. Zum Glück, denn ein voller Kopf praktiziert nicht gern.
Gerade deshalb aber ist für mich nach wie vor Savasana eine der schwierigsten Asanas (Yogaübungen) überhaupt. Wenn ich mich nämlich nach der Praxis völlig ruhig, Arme und Beine vom Körper weggestreckt, in die „Todesstellung“ auf den Rücken lege, kommen die Gedanken zurück. Dann wird es nach wie vor recht oft wieder laut in meinem Kopf – selbst wenn ich während der Praxis vollkommen bei mir war. An manchen Tagen schaffe ich es, die Gedanken kommen und gehen zu lassen und mich auf meinen Körper zu konzentrieren, der da still am Boden liegt. An anderen Tagen gelingt es nicht. Allerdings nehm ich mir das nicht (mehr) übel, sondern lass es geschehen. Und dann kann es passieren, dass ich einfach nur daliege, lächle und die Stille in mir fühle.

6 Kommentare

  • Antworten Aletheia 21. Oktober 2016 at 13:30

    Wirkliche Stille ist in mir wirklich selten.
    Ich habe sie in seltenen Momenten erlebt: Damals in dieser einen Nacht in Griechenland, als ich überwältigt von der Dunkelheit der Nacht am Strand in einen sternenklaren Himmel schaute oder mitten im Wald, bei einer kleinen Wanderung.
    Ich wache auf und denke, ich arbeite und denke nach, einkaufen, mit dem Bus fahren, mein Kopf ist nie still.
    Oft hält mich das auch vom Einschlafen ab, was mich wütend macht, denn über all diese oft banal erscheinenden Dinge muss man doch nicht ausgerechnet wenn man zur Ruhe kommen will nachdenken, oder?
    Momentan besuche ich einen Kurs zu Progressiver Muskelentspannung.
    Thai Chi, Qigong, eine Fantasiereise und dann geht’s los und mein Kopf schon wieder auf Reisen, aber es wird besser.
    Liebe Grüße, Aletheia

    • Antworten iane 21. Oktober 2016 at 13:38

      Tja, ich kenne dieses Gedankenkarussell ja nur zu gut… Und ich muss Dir recht geben, denn im Grunde müssten wir uns ja sowieso über nichts Gedanken machen, sondern die Dinge einfach auf uns zukommen lassen. Aber die Gedanken sind halt doch immer mal wieder „stärker“. Oft ist es aber halt so, dass die äußere Stille alles andere als zuträglich ist für die innere Stille… Aber ich denke mit Progressiver Muskelentspannung, Qigong usw. bist Du auf einem tollen Weg. Ich wünsch Dir, liebe Aletheia, auf jeden Fall, dass Dich Deine Reise „stiller“ macht.
      🙂 Alles Liebe

  • Antworten dieschattentaucherin 21. Oktober 2016 at 14:57

    Das klingt vertraut! 😀
    Da ich an meinen schlechteren Tagen sowieso eher in Zeitlupe unterwegs bin, passiert es mir dann, dass ich vor lauter Überlegungen, was ich wie und in welcher Reihenfolge ganz besonders effizient hinkriege, gar nicht mehr voran komme.

    Ich habe vor Kurzem mit Achtsamkeitsübungen angefangen und finde sie sehr hilfreich.
    Der begonnene Yogakurs tut mir auch gut, obwohl er momentan noch extrem anstrengend für mich ist.

    Liebe Grüße
    Iris

    • Antworten iane 21. Oktober 2016 at 15:07

      🙂 bei mir kommt es immer wieder mal vor, dass ich meine Tage zwar im Kopf total super einteile, mich aber beim zeitlichen einfach „verschätze“… Mittlerweile hab ich aber gelernt, es dann anzunehmen und Dinge, die ich nicht erledige, halt einfach sein zu lassen – es bringt ja nichts…
      Das mit der Achtsamkeit ist bei mir noch ein bisschen ein „blinder Fleck“ – wollte eigentlich einen Kurs belegen, es kam aber „was“ dazwischen (so viel dazu 😉 ). Aber durch die Yogapraxis bin ich glaub eh auf einem guten Weg. Und was das anstrengende am Yoga angeht: Ich kann Dich „beruhigen“ – obwohl ich nun wirklich schon seit ein paar Jahren täglich auf der Yogamatte stehe, anstrengend ist es immer noch – und das wird wohl auch so bleiben. Aber ich versteh schon auch, was du meinst… und glaub mir, wenn du dran bleibst, wird die Anstrengung irgendwann nicht mehr im Vordergrund stehen.
      Alles Liebe und hab ein wunderbares Wochenende, liebe Iris

  • Antworten Fari 25. Oktober 2016 at 20:35

    Liebe Iane, ich kenne das. Diese Gedanken, diese Wirbelstürme in meinem Kopf. So lange habe ich versucht unter Kontrolle zu bringen, vergeblich. Bis ich vor einigen Jahren zur Meditation gefunden habe, jetzt habe ich ein Tool in der Hand, welches ich immer einsetzen kann, welches mir hilft, in mich zu gehen, auf mich, meinem Körper und Geist zu hören. Ich spüre mich durch die Meditation! 😊 Alles Liebe, Fari

    • Antworten iane 26. Oktober 2016 at 7:44

      … ich hab es gerade auf deinem Blog bzw. in Deinem Beitrag für die Blogparade gelesen! Klingt schön. Ein bisschen was von Mediation hat meine tägliche Yogapraxis ja auch, aber es ist natürlich kein „richtiges meditieren“. Aber es ist ja nie zu spät 😉 Vielen Dank jedenfalls für Deinen Input und alles Liebe, Iane

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