Alle Erbsen Gesunde Erbsen

Meine inneren Kritiker und ich …

8. September 2016

…oder: Der Schwindel meines Lebens – Teil III

Ich beschäftige mich in letzter Zeit recht intensiv mit meinen inneren Kritikern. Diese inneren Stimmen, die sich nicht nur einmal am Tag lautstark und eben kritisch zu Wort melden und mir sagen wollen, was gut und richtig ist – oder vielmehr, was ich schlecht und falsch mache. Und nein, ich lebe nicht mit (m)einem Alter Ego, habe keine gespaltene Persönlichkeit und soweit ich weiß, war und bin ich nicht schizophren. Mir ist eh klar, dass das jeder sagen kann. Ich hab allerdings meinen Erbsenprinz gefragt und er hat gemeint, dass ich zwar hin und wieder meine Launen habe, ansonsten aber durchaus eine Person sei 😉

Ich muss aber auch gar nicht „verrückt“ sein, um innere Stimmen zu hören. Denn mittlerweile sind sich Psychologen so gut wie einig, dass sich das „Ich“ aus mehreren „Ichs“ zusammensetzt – ob man es nun Multi-Mind-Konzept, Ego-States, Teile-Psychologie oder sonst wie nennt. Die meisten „Ichs“ und damit auch die dazugehörenden Stimmen und Kritiker entstehen in der Kindheit und Jugend. Ich seh das so: Wir kommen „leer“ auf die Welt, müssen also erst einmal „gefüllt“ werden und lernen, in dieser Welt zurecht zu kommen. Dabei spielen unsere Eltern natürlich eine irrsinnig wichtige Rolle – oder auch Oma und Opa oder wer sich sonst um uns kleine Menschen kümmert. Später haben dann noch andere Personen Einfluss darauf, wie wir uns und wie sich unsere inneren Kritiker entfalten: von der Kindergartentante bis zu Lehrern und Professoren, von der ersten Liebe bis zum ersten Arbeitgeber. Genauso wichtig sind Erlebnisse, wenn es darum geht, ob unsere inneren Stimmen schlussendlich positive Kritik üben oder uns immer wieder aufs Neue „niederdrücken“. Soweit ich „Nicht-Psychologe“ das verstehe, geht es aber immer darum, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln – und zwar dadurch, wie wir mit diesen äußeren Einflüssen umgehen, wie wir auf sie reagieren, was wir aus ihnen machen und in welcher Form wir sie zu unseren eigenen „Ichs“ machen.

Wie viele innere Kritiker sich so tagtäglich in mein Leben einmischen, kann ich eigentlich gar nicht sagen. Ich stell sie mir allerdings als Tauben auf dem Zaun vor, die nur darauf warten, dass ich ihnen trockenes Brot hinschmeiße, auf das sie sich wie wilde Raubvögel stürzen können. Dabei will ich sie ja gar nicht (mehr) durchfüttern. Nur leider merke ich meist zu spät, was ihnen richtig schmeckt – soll heißen: Erst wenn sie mit ihrer Kritik loslegen, wird mir bewusst, dass ich etwas getan oder gesagt habe, was ihre oft verächtliche Reaktion hervorruft.
Bislang hab ich sozusagen die einfache „EXIT-Strategie“ gewählt: Weglaufen und damit meinen inneren Kritikern nicht noch mehr Futter zu liefern. Das Problem ist halt: Man kann ihnen nicht davonlaufen – das hat mir mein Schwindel klar und deutlich gezeigt. Also hab ich beschlossen, dass Angriff doch die bessere Verteidigung ist. Und je mehr ich mich mit meinen inneren Stimmen beschäftige, umso leiser werden sie. Ein Beispiel: Meine inneren Kritiker sind regelrechte „Sklaventreibern“, die mir immer wieder sagen, dass ich alles perfekt, richtig und korrekt machen muss. Außerdem alles planen und dann kontrollieren, ob es so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Lass ich das so im Raum stehen und mach mal einen „Fehler“, ist natürlich die Hölle los (oder eben der Schwindel).

Nun hab ich aber angefangen, das alles in Frage zu stellen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Ich meine, was ist eigentlich „richtig“? Wer entscheidet, ob etwas „perfekt“ ist oder? Ist es nicht so, dass meine inneren Kritiker die Messlatte einfach wieder höher legen, sobald ich etwas „perfekt“ gemacht habe? Und was, wenn das Leben halt so kommt, wie es kommt? Viele Dinge passieren einfach, da hab ich gar keinen Einfluss drauf – also kann auch mein „Plan“ nicht aufgehen.
Zum Schweigen gebracht, hab ich die inneren Kritiker noch nicht. Und ich denke mal, dass ich das auch gar nicht schaffen werde. Aber ich kann ihnen ja die Zunge rausstrecken 😉
Schwindel meines Lebens: Wenn ich meinen inneren Kritikern die Zunge herausstrecke

MerkenMerken

10 Kommentare

  • Antworten Kilian loidl 8. September 2016 at 13:36

    Sehr interessant.

    • Antworten iane 8. September 2016 at 13:42

      😉

  • Antworten Karl Tschavoll 15. September 2016 at 13:46

    Mein innerer Kritiker meckert gerade rum, dass ich Erbsen-Artikel schon wieder von vorne bis hinten durchlese und dann auch noch kommentiere, anstatt einfach nur drüber zu skimmen und gleich wieder weiterzuarbeiten. Aber ich bin stärker! 😀

    • Antworten iane 15. September 2016 at 13:49

      Da hast du deinem inneren Kritiker die Zunge aber g’hörig rausgestreckt – respect 😀

  • Antworten Sabrina 20. September 2016 at 13:15

    Vielen Dank für den tollen Beitrag! Wir sollten unseren inneren Kritikern viel öfter einfach die Zunge rausstrecken, anstatt sie immer so todernst zu nehmen : )

    Viele Grüße, Sabrina

    • Antworten iane 20. September 2016 at 13:25

      …und nachdem wir unseren inneren Kritikern die Zunge so richtig rausgestreckt haben, überlegen wir uns, wie wir ihnen in Zukunft gar kein Futter mehr hinschmeißen können, auf das sie sich wie die Geier stürzen können – und dann sagen wir „ätsch-bätsch“ 😉 Alles Liebe und viel MUT

  • Antworten John 29. Januar 2017 at 9:07

    Wollte eigentlich nur Apfelmus kochen…nun bin ich hier gelandet…sehr sehr interessant…keine Frage….
    Hej Lane…leider sind deine inneren Kritiker dafür verantwortlich das ich hier gelandet bin…also kurz gesagt sei nicht so streng mit dir…
    Deine Seite ist definitiv für viele Menschen eine große Bereicherung….
    Aber was ist mit Dir? Wir sind nicht geschaffen um uns am Computer(Handy) krank zu machen…Glück und Leid sind im Leben sehr nah beieinander….ich glaube weniger ist eben doch mehr…
    Wenn du in deinem mit Sicherheit wundervollen Garten entspannst und irgendein Detail betrachtest was eventuell die Natur alleine geschaffen hat ist womöglich das alleine der Schlüssel zum Glück…genieße Deine Erkenntnisse die dir das Leben gezeigt hat und sei nicht so streng mit dir selber….
    Jeden Tag lernen wir was dazu…so wie ich heute weil ich deine Seite gefunden habe…
    Wir sind was wir sind durch unsere inneren Kritiker und ich respektiere sie weil sie zu mir gehören….
    Ich koche heute lecker Apfelmus mit dem was ich gerade da habe und das nächste mal wird er wieder anders schmecken und ich werde dabei an deine Seite denken….

    • Antworten iane 29. Januar 2017 at 10:45

      oh nein, wir sind definitiv NICHT dafür geschaffen, uns von Computer, Handy und Co. krank machen zu lassen.
      Und was die Details in der Natur angeht: die sind wunderschön und ich find sie immer öfter… lies hier mal: http://gesunde-erbsen.com/winter-wonder-land/ – da kann ich die inneren Kritiker auch mal mitnehmen und einfach dort lassen 😉
      Lass Dir das Apfelmus schmecken und wenn Du Lust hast, trag Dich doch in die E-Mail-List ein (rechts in der Sidebar!), dann bist Du immer auf dem Laufenden, was sich bei den Gesunden Erbsen so tut – ob mit inneren Kritikern, in der Natur oder in der Küche 🙂

  • Antworten John 30. Januar 2017 at 12:34

    Bin nur kurz hier…ich bin anderswo zu Haus…sinngemäß

    • Antworten iane 30. Januar 2017 at 18:52

      na dann freu ich mich umso mehr, dass du „so lange außer Haus warst“ und vor allem dass du die Zeit bei den Gesunden Erbsen verbracht hast 😉

    Schreib einen Kommentar

    Zeitlimit abgelaufen. Bitte neu laden.

    %d Bloggern gefällt das: