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Kritik: Eine Frage des Umgangs

15. September 2017
Kritik: Eine Frage des Umgangs

Anfang dieser Woche hab ich mich mal in Kritik geübt. Und das obwohl ich nicht zu den Menschen gehöre, die sich über jedes Krümelchen aufregen (es sei denn, es liegt zuhause auf dem Boden, dann kann es schon sein, dass der Staubsauger ausrücken muss). Bei den Keksen, die ich abends gern schnabuliere, waren es allerdings ein paar Krümel zu viel: Schon seit Längerem fuzzle ich sie nämlich in zwei oder mehreren Teilen aus der Verpackung. Also hab ich Mondelez eine Nachricht geschrieben, eine irrsinnig nette, kundenfreundliche Antwort und ein Päckchen mit Produkten des Hauses erhalten. Das war zwar nicht mein Ziel, aber wer weiß: Vielleicht ändern sie ja doch etwas an der Verpackung – dank mir natürlich 😉

Und das war nur der erste kritische Streich, denn der zweite folgte zugleich. Nach zwei Jahren durfte meine alte eKOlite Yogamatte von Manduka in Pension gehen. Die neue kam grün auf grün und ich war happy… Leider nur ein paar Tage, denn nach nicht mal zwei Wochen täglicher Praxis hatte sie schon einige Löcher. Das Team von Manduka in Antwerpen war voller Verständnis, bat mich, ein paar Fotos zu schicken, damit sie sich die Sache genauer anschauen können. Und gestern durfte ich mir eine neue Matte aussuchen.
Es ging mir nicht darum, eine weitere Yogamatte zu bekommen – ich wär ja mit meiner grünen total glücklich gewesen. Doch was hätte es mir gebracht, mich im stillen Kämmerchen ständig darüber aufzuregen, dass sie schon nach so kurzer Zeit anfängt, sich aufzulösen? Genau – gar nichts. Im Gegenteil: Es hätte mir meine Praxis vermiest. Umso mehr danke und namaste, Manduka!

Umgang mit Kritik

Vor allem aber haben mir diese zwei Erlebnisse einmal mehr gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist,  positiv auf Kritik zu reagieren – vorausgesetzt sie wird auch entsprechend konstruktiv und sachlich geäußert. Es schallt halt immer aus dem Wald heraus, wie man hineinruft, und anscheinend hab ich etwas richtig gemacht. Dabei kenn ich Kritik eher von der „Nehmer-Seite“, denn in meinem Job kommt es nicht selten vor, dass von mir erarbeitete Konzepte und Ideen, Texte und Artikel „kritisiert“ und überarbeitet werden. Anfangs hat mich jede Beanstandung oder Bemerkung in Mark und Bein getroffen. Heute ist das nur noch dann der Fall, wenn sie a) von mir nahestehenden Menschen kommt, b) nicht gerechtfertigt ist, c) in einer absolut unmöglichen, sprich unfreundlichen Art geäußert wird oder d) wenn es meine inneren Kritiker sind.

Deshalb hab ich mir eine Strategie zurechtgelegt, die mir dabei hilft, damit umzugehen: Zuerst höre ich mir die Kritik an oder lese sie mir von Anfang bis zum Ende durch. Dann nehm mir eine Minute – oder ein paar mehr – und atme ein paar tief durch. Letzteres ist nicht immer möglich, vor allem im persönlichen Gespräch. Doch selbst da kann man es sich herausnehmen, die Kritik erst einmal setzen zu lassen. Also sag ich meinem Gegenüber beispielsweise, dass ich mir das gerne anschauen und mich wieder melden werde. So viel Zeit muss sein.
Nach dem ersten „Schock“ und der Atempause lass ich mir alles noch mal durch den Kopf gehen und begebe mich dabei in eine Art Meta-Position. Das heißt: Ich schau mir quasi von außen an, was die Kritik mit mir macht, wo sie mich „trifft“, was ich daraus lernen kann, aber auch was ich davon nicht annehmen werde. Diese Sicht hilft mir dabei, mit Abstand und ohne Gefühle an die Sache heranzugehen, die Dinge zu überarbeiten oder der Person ruhig und sachlich zu erklären, warum ich dies oder jenes eben nicht ändern werde.

Mein Fazit: Jede Kritik bringt Dich weiter. Ist sie konstruktiv, kannst Du etwas für dein Tun lernen. Ist sie es nicht, kannst Du etwas über Dich lernen, Dich und Deine Persönlichkeit weiterentwickeln oder einfach stolz darauf sein, dass Du es nicht (mehr) nötig hast, Deinem Gegenüber gleich über den Mund zu fahren und dabei viel zu viel Energie zu verbrauchen.

Aus Kritik lernen

2 Kommentare

  • Antworten Nadine Uzelino 15. September 2017 at 18:42

    Ein wahrer und schöner Text! 😀 Konstruktive Kritik kann auch eine Bereicherung sein, da der Blick von außen auch Verbesserungen auslösen kann. Und die Methode, Kritik erstmal setzen zu lassen und dann zu analysieren ist auch ein super Tipp. So kann man sich selbst in Kritik üben und aus seinen möglichen Fehlern auch lernen! So ensteht auch Weiterentwicklung und das ist nie verkehrt. lg Nadine von Nannis Welt

    • Antworten iane 15. September 2017 at 19:15

      DANKE für Deine wunderbare Kritik, liebe Nadine 😉
      In diesem Sinne sollte es also heißen: Auf dass wir nie aufhören, uns zu kritisieren und aus unseren Fehlern und unserem Tun zu lernen. Denn selbst wenn wir gar nichts „falsch“ gemacht haben (abgesehen davon: was ist schon falsch????), kann es immer noch besser werden!
      Alles Liebe, Iane

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