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Trendy Langsamkeit – langsam aber wirklich…

18. November 2016
trendy Langsamkeit: langsam aber wirklich

Das Zeitalter der Langsamkeit titelt das Zukunftsinstitut online. Langsamkeit liegt im Trend liest man auf der Website der Berliner Zeitung. Hängen sich also wieder mal alle auf demselben Thema auf? Ja und nein! Ja, weil derzeit wirklich viele über Entschleunigug, Achtsamkeit bzw. Mindfulness, Slow Food, Slow Living und alles, was sonst noch so slow sein kann, schreiben. Und jetzt komm auch ich noch mit einem Blogbeitrag daher. Allerdings – und damit zum „nein“ – liegen zwischen den beiden Artikeln fast 20 Jahre. BÄM!
Schon 1997 schrieb Gesine Baur über die „trendy Langsamkeit“. Denn schon damals haben 73 Prozent der Deutschen über Stress und Hektik geklagt und es sei klar gewesen, dass Volkskrankheiten und andere gesellschaftliche Ärgernisse auf diesem Grundübel wachsen und gedeihen: „vom Herzinfarkt bis zum Verkehrsinfarkt, vom Kreislaufkollaps bis zum Wirtschaftskollaps, vom Magengeschwür bis zum bürokratischen Geschwür“, schreibt die Autorin ganz wunderbar. Und bereits vor 20 Jahren brachen die beruflichen Top-Performer früher oder spätestens dann, wenn sie auf der Spitze der Karriereleiter angekommen waren, entkräftet zusammen. Und ja, auch 1997 war schon die Rede vom Burn-Out.

Stellt sich mir die Frage: Waren damals vielleicht noch zu wenig Menschen auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Oder warum sonst haben wir seither so gar nichts gelernt und geändert? Ich meine, sind wir mal ehrlich: Die meisten von uns sind heute doch alles andere als slow unterwegs – mich eingeschlossen. Nicht ohne Grund hat der Schwindel meines Lebens vor fast fünf Monaten wieder an meine Tür geklopft. Dabei stressen uns nicht nur Arbeit und Alltag. Wir lassen uns ja sogar in der Freizeit vom Leben herumhetzen! Ich für meinen Teil entkomme dieser Hetzjagd unter anderem auf der Yogamatte, bin aber sowieso dabei, mein Leben komplett in eine andere, eine, wenn man so will, langsamere, vor allem aber selbstbestimmte Richtung zu lenken.
Ob der von Gesine Baur beschriebene Double Timer DIE Lösung ist (für mich persönlich oder generell), weiß ich nicht. Aber er hat schon was. Der Double Timer führt eine Art Doppelleben, in dem er Beruf und Freizeit strikt in zwei Zeitbereiche trennt: Das Privatleben läuft nach dem eigenen Tempo ab und die freie Zeit wird richtig FREI gestaltet. Das Berufsleben ist zwar fremdbestimmt, trotzdem bekommt er es auf die Reihe, sich „Inseln der Ruhe“ zu schaffen. Klingt toll – irgendwie. So wirklich durchgesetzt hat er sich aber wohl nicht, der Double Timer, sonst läge die Langsamkeit heute wohl nicht wieder bzw. immer noch (?) im Trend…

Langsam scher ich aus

Warum wir ständig nach Langsamkeit suchen, obwohl unser Leben immer schneller wird, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich da nicht mehr mitmache. Allerdings möchte ich mein Leben nicht in Freizeit und Job teilen – das hat so etwas von gut und schlecht, schwarz und weiß. Ich möchte EIN Leben, MEIN Leben führen. Ich möchte selbst bestimmen, wann ich erreichbar bin und wann ich arbeite. Klar, ich bin selbstständig und hab somit keinen Chef, keinen Vorgesetzten, der mir sagt, was zu tun ist. Aber ich habe Projekte, Deadlines, Kunden. Dennoch gönne ich mir eine schöne lange Mittagspause, denn Essen ist das, was uns am Leben hält (übrigens: Der Double Timer hat anscheinend schon vor 20 Jahren die richtige Ernährung als prophylaktische Medizin betrachtet und nach dem Denkmodell der TCM, also der Traditionellen Chinesischen Medizin, auf Eigenverantwortlichkeit seines Organismus gesetzt). Ich steige jeden Tag um 17 Uhr auf die Yogamatte und stell das Handy auf Flugmodus. Das ist einfach so – Punkt. Und seit der Schwindel wieder in mein Leben getreten ist, sitz ich weder abends noch am Wochenende vor dem Computer und bekomm die Dinge trotzdem auf die Reihe. Mag sein, dass ich seither weniger – als andere (?) – arbeite, aber wer entscheidet denn, was viel und was wenig ist? Ach ja und nein, der Erbsenprinz bringt keine Millionen nach Hause und ich bin auch keine verwöhnte Tochter reicher Eltern – trotzdem nehm ich mir all diese „Frei- und Frechheiten“ heraus

Am Ende des Tages ist es nämlich mein Leben! Es sind meine Gesundheit, mein Wohlbefinden, mein Glück, meine Freude, die entweder leiden oder es mir danken, dass ich mich nicht (mehr) fremdbestimmen lasse. Am Ende des Tages geht es immer und nur um einen selbst. Und dafür dürfen wir uns kein schlechtes Gewissen einreden (lassen). Der Double Timer legt Gelassenheit an den Tag. Daran arbeite ich gerade – und zwar gern auch in der Mittagspause, auf der Yogamatte, abends oder am Wochenende. Namaste!

Health is happiness

2 Kommentare

  • Antworten Nadine Uzelino 22. November 2016 at 19:12

    Das ist ein toller Artikel! Es ist wirklich schwer, sein Leben so zu entschleunigen, dass man wirklich in die Entspannung kommt. Manchmal ist es ja sogar nochmal zusätzlicher Stress, wenn wir versuchen möglichst an viel Ruhe und freie Zeit zu kommen. Hach ja, ein richtiger Teufelskreis 😉

    lg Nadine von Nannis Welt

    • Antworten iane 22. November 2016 at 19:39

      Stimmt, liebe Nadine! Manchmal ist es richtig stressig, das Entschleunigen 😉 ABER ich denke: Aller Anfang ist schwer und wenn man es sich erst einmal angewöhnt hat, langsamer zu werden bzw. langsamere „Einheiten“ in den (All)Tag einzubauen, dann wird man auch beim Entschleunigen immer ruhiger…
      Liebe Grüße und hab einen feinen, ruhigen Abend

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