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Putzen für die Seele

12. August 2016

Juhuu! Die Wohnung ist keine Baustelle mehr, sondern (fast) wie neu. Damit aus der fertigen Baustelle allerdings unser wunder-wunderschönes Zuhause wurde, hieß es erst einmal: putzen was das Zeug hält. Ich hab’s gern sauber und, ja, ein bisschen ein „Monk“ steckt auch in mir. Trotzdem putze ich nicht gerne, denn das eine schließt das andere nicht unbedingt ein – zumindest war ich bis vor wenigen Tagen dieser Meinung.
Als wir nun aber die Wohnung so geputzt haben, hab ich mir gedacht: Ich nehme mir ganz bewusst Zeit dafür, putze gründlich in jeden Winkel, wische über jeden Tür- und Bilderrahmen (Mama wäre stolz auf mich!) und wenn ich schon mal dran bin, kommen gleich auch Küche und Bad dran – dort hat sich der Baustellenstaub ja genauso in allen Ecken breitgemacht. Die letzten beiden werden zwar jedes Jahr so um diese Zeit von oben bis unten geputzt. Dieses Jahr hatte es aber irgendwie eine andere Bedeutung: Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich die ganze Wohnung von all ihren „Alt-Lasten“ befreien möchte – und mich, meine Seele und meinen Geist gleich dazu.

…und plötzlich ging es ganz leicht! „Kein Wunder“, werden diejenige von Euch sagen, die sich schon mal mit Zen-Buddhismus beschäftigt haben. Keisuke Matsumoto zeigt beispielsweise in seinem Buch „Die achtsame Kunst des Putzens“ (hab ich mir gleich bei meinem Buchhändler bestellt), wie wichtig Putzen ist – einerseits natürlich um in einer sauberen Umgebung zu wohnen, andererseits aber auch um die Seele zu reinigen. Sieben Jahre verbrachte er als Mönch in einem Zen-Kloster in Tokio und jeder Tag begann damit, den Tempelbereich zu fegen, nicht weil es dort dreckig war, sondern um, wie er schreibt, „die Wolken des Geistes zu entfernen.“

Gesunde Erbsen Put-Zen

Nun, unsere Wohnung war definitiv schmutzig und staubig! Trotzdem haben wir sie nicht stöhnend geputzt, sondern mit Achtsamkeit, Ruhe und Gelassenheit – mein Mann singt sowieso die meiste Zeit, wenn er den Boden saugt und wischt 😉 . Es hat gut getan, sich Zeit zu lassen anstatt zu „huddeln“. Es war schön, den neuen Boden immer wieder mal zu saugen, weil sich schon wieder Baustaub niedergelassen hat (davon hängt nämlich nach wie vor reichlich in der Luft und an den Wänden). Es war befreiend, das eine oder andere wegzuschmeißen: Küchenutensilien zum Beispiel, die ich im letzten Jahr nicht einmal aus der Schublade geholt habe. Im Wohnzimmer haben wir Couch, Tisch und den schönen alten Bauernschrank an ihre Plätze gerückt, ansonsten jedoch viele Dinge gar nicht mehr aufgestellt. Aus meinem Arbeitszimmer ist – wie ich es mir gewünscht habe – eine richtige Wohlfühloase geworden, in der allerdings noch kein einziges Bild hängt.

Das Wegwerfen und Weglassen hat unsere Wohnung und damit unser Leben leichter, einfacher gemacht. Das Putzen selbst hat mich ruhiger gemacht – nicht nur, aber schon alleine deshalb weil ich keine Musik dabei hatte (unser Verstärker wird nämlich gerade generalüberholt). Erst dachte ich „schade“, doch nach wenigen Minuten hab ich gar nicht mehr darüber nachgedacht, weil ich so in mir und in meinem Tun war. Die Meditationslehrerin Samarpan P. Powels sagt, dass Stille unser Bewusstsein reinigt. Und durch das Putzen wird das in gewisser Weise verstärkt. Auf Samarpans Online Magazin FindYourNose findet Ihr eine kurze Audio-Anleitung für „zentriertes PutZen“.
Ob das Putzen nun nie mehr eine lästige Pflicht für mich sein wird, wird sich zeigen. Ich werde aber zumindest versuchen, dabei immer in mir selbst zu ruhen, mich auf mich als auch auf die Sache selbst, also das Putzen zu konzentrieren. So bekommt es einen richtig meditativen Charakter und laut Samarpan reinigt uns Meditation von Konditionierungen und Vorstellungen, die die Sichtweise verstauben. „Der ständige Gedankenstrom ist wie Schmutz, der sich auf das legt, was wirklich ist. In vielen Traditionen wird Bewusstsein mit einem Spiegel verglichen, der durch Staub verunreinigt wurde und durch Meditation wieder sauber gemacht wird“, schreibt Samarpan.

Das finde ich schön. Und wenn ich so aus dem Fenster blicke, weiß ich auch schon, was ich am Wochenende noch putzen werde – mal schauen, welche Aus- und Einsichten sich dabei so ergeben…

Gesunde Erbsen Putzen mit Herz

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