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Meine Dojo: Auf dem Weg zu mir

08.11.2019

In den letzten Tagen hab ich wieder mal auf Süßes und Fettiges verzichtet und bewusst nur Dinkel gegessen – kein anderes Getreide. Ansonsten aber hab ich meine Dojo nicht so „streng“ genommen. Wie in den Jahren zuvor fällt mir der Übergang vom Herbst in den Winter recht schwer. 

Doch sie wird kommen, die kalte Jahreszeit. Und ich werde es überstehen. Unter anderem indem ich einheizende Suppen und Eintöpfe mit wärmenden Lebensmitteln und Gewürzen zubereite. Und indem ich die vergangenen Dojo-Tage dafür genutzt habe, meine Mitte – also Magen und Milz – darauf vorzubereiten: gemäßigt und ganz ohne Verzicht. In Letzterem werde ich mich sowieso nie mehr wieder üben – den hab ich viel zu lange perfektioniert. Apropos: Heute erscheint die November-Ausgabe von Gesünder Leben, in der ich über (meine) Magersucht schreibe. Danke für diese Möglichkeit!

Auf dem Weg. Bei der Dojo-Kur der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) geht es weder um Verzicht, Fasten noch Abnehmen. Sondern darum, die Mitte zu entlasten und gleichzeitig zu stärken. So kann sich der Körper auf die kommende Jahreszeit mit all ihren Besonderheiten und mitunter krankmachenden Einflüssen vorbereiten. Die Mitte wird – wie die Dojo selbst – dem Element Erde zugeordnet und ist aus Sicht der TCM unter anderem für Gefühle und Gedanken zuständig. Entsprechend sind die Dojo-Tage auch dazu da, zur Ruhe zu kommen – im Außen wie im Innen. Und so habe ich mich bewusst zurückgezogen, es mir zuhause gemütlich gemacht, wenn es mein Terminkalender zugelassen hat. Ich bin es ruhiger angegangen, habe viel gelesen, viel geschlafen und die Zeit auf der Yogamatte genauso genossen, wie die auf der Couch. 

Das Wort „Dojo“ stammt übrigens aus dem Japanischen und bezeichnete einst an Tempel angeschlossene Übungs- bzw. Meditationshallen für Mönche. Heute sind es Trainingsräume für japanische Kampfkünste wie Karate, Jūdō, Ju-Jutsu oder Aikidō. Allerdings unterscheidet sich ein Dojo wesentlich von den Sporthallen, wie wir sie kennen. „Do“ bedeutet nämlich Weg und „Jo“ ist ein Ort, an oder in dem etwas stattfindet. Der Dojo ist somit ein Ort, an dem man auf dem Weg ist. 

OM

Besonderer Ort. Der Dojo ist aber nicht nur der Raum im Außen, sondern auch jener im Innen. Um also das wahre Dojo in sich selbst zu finden, braucht es einerseits diesen Ort, an dem man sich geborgen fühlt. Andererseits sollte sich das persönliche Verhalten im Dojo an der Vorstellung eines besonderen Ortes orientieren. 

Und so habe ich mir in unserem Wohnzimmer eine „Kamiza“ eingerichtet – eine „ehrenvolle“ Seite. Es ist nur eine kleine Stelle im Raum, an der schon seit Langem mein Buddha sitzt, Chakren-Stimmgabeln und eine Klangschale stehen. Doch seit ich die Bedeutung der Kamiza kenne, hat diese Stelle einen neuen Wert bekommen. Dieser mag für andere sichtbar sein. Für mich aber ist es seither ein Ort der Ruhe, der mich – jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe – daran erinnert, dass das wahre Dojo in mir ist. Dass es an mir liegt, achtsam zu sein, mit mir selbst, meinen Mitmenschen und meiner Umwelt.

Deine Dojo. Es braucht nicht viel, sich einen Dojo zu schaffen – im Außen wie im Innen. Und wir müssen auch nicht vor der Kamiza beten oder uns verbeugen oder so. Es geht um das Bewusstsein, das man damit schafft. Es geht darum, einen Ort zu haben, der einen daran erinnert, auf die innere Stimme zu hören und darauf, was einem der Körper sagt. Das bedeutet nicht, dass wir nur mehr Ruhe und Frieden suchen, uns ständig zurückziehen und die Augen vor der Welt verschließen sollen. Das wird erstens nicht funktionieren, wenn man einen Job, eine Familie, kurz: ein Leben hat. Und ist zweitens gar nicht erstrebenswert – zumindest in meinen Augen. Wir sind nun mal soziale Wesen, die auch im Außen leben. Doch das eine schließt das andere nicht aus. Und seit ich weiß, was „Dojo“ bedeutet, strebe ich in der Dojo-Zeit noch bewusster nach körperlicher und geistig-seelischer Entlastung. Ich ernähre mich einseitig, gönne mir kleine Auszeiten vom Alltag und begebe mich immer wieder aufs Neue auf den Weg zu mir.

Meine Dojo  Zeit

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