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Ich muss noch schnell … langsamer werden

11.01.2019
Noch schnell

Bei einem Beratungstermin mit einer Kundin sind wir gestern irgendwie darauf zu reden gekommen, dass man aufpassen sollte, wie man mit sich selbst spricht. Und es stimmt! Wie oft sagen wir: „Ich muss jetzt die Wäsche waschen.“ Oder: „Ich geh noch schnell duschen“. Und die krasseste Variante ist sowieso, wenn man diese beiden kombiniert – also beispielsweise: „Ich muss noch schnell den Müll hinausbringen.“
Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, dass man sich derartige Worte komplett verbietet. Und schon gar nicht, dass man sich ein schlechtes Gewissen einredet, wenn man sie doch mal verwendet. Oder dass wir uns sogar Vorwürfe machen, dass wir jetzt schon wieder „irgendetwas noch schnell machen mussten“. 

Einfach nicht gut. Ich möchte damit auch nicht sagen, dass wir ab sofort alles nur noch „tun dürfen“ statt es „machen zu müssen“. Genauso wenig bin ich der Meinung, dass man immer durch die rosarote Brille schauen sollte. Gewisse Dinge sind schlichtweg nicht gut. Manchmal erweisen sie sich zwar im Nachhinein als gut. Aber im ersten Moment sind sie eben nicht. Und dann und wann sind die Dinge schlicht und ergreifend schlecht – und bleiben es auch. Punkt. Wenn man zum Beispiel (schwer) erkrankt, ist das schrecklich (und) beängstigend. Für mein Empfinden ist es sogar noch schlimmer, trauriger und schmerzlicher, wenn ein lieber Mensch eine schlechte Diagnose erhält. 
Allerdings sollte man die Gefühle, die in solchen Situationen hochkommen, nicht wegschieben, weil man ja alles positiv sehen sollte. Das macht die Sache definitiv nicht besser. Lass die Gefühle lieber zu. Lass sie heraus. Lass Dich vielleicht sogar richtig hineinfallen in diese Gefühlswelt. ABER komm auch wieder heraus, wenn Du dazu bereit bist, wenn Du genug getrauert, geweint, geschrien, gezürnt oder was immer hast.
Wenn man nämlich erst einmal seine Trauer, seine Angst, seine Wut und was sonst noch so an vermeintlich negativem Gefühl in einem hochkommen mag, ausgelebt hat, kann man daraus sogar Kraft schöpfen. Und da fängt in gewisser Weise der positiv-denkende, der rosarote Part an. 

Ich muss noch schnell

Noch schnell zurück zum Thema… Nun bin ich etwas abgeschweift, denn eigentlich wollte ich darüber schreiben, dass man manchmal durchaus etwas müssen darf 😀 Soll heißen: Gewisse Dinge müssen sein. Ich muss essen, trinken und schlafen. Ich muss die Wäsche waschen. Ob ich sie auch tatsächlich bügeln muss, ist wohl Ansichtssache. Ich für meinen Teil mag’s nicht verknittert, also bügle ich – aber es stimmt schon: Ich muss mich am Sonntagabend nicht hinstellen, um zu bügeln – ich tu es einfach. Ich denke: Wenn’s ums Müssen geht, macht die Dosis das Gift. 
Für mich persönlich ist das Wörtchen „schnell“ bzw. die Kombi „noch schnell“ ärger. Dadurch nämlich steigen wir in unserer ohnehin schon so schnelllebigen Welt einmal mehr aufs Gas. Und dann kommt der Schnee und nichts geht mehr – schon gar nicht schnell.
Es mag schon sein, dass man es gar nicht so meint. Bei mir ist das oft der Fall. Allerdings wissen das Körper, Geist und Seele nicht. Die hören nur „noch schnell“ und sind schon auf Speed. 

Was immer Dein „Unwort“ ist, finde es heraus und versuche künftig, es entweder komplett wegzulassen oder durch etwas anderes zu ersetzen. Und wenn Du es doch hin und wieder benutzt, geh nicht zu hart ins Gericht mit Dir. Vielleicht war es tatsächlich notwendig, die Dinge mal beim Namen zu nennen. Und wenn nicht: So what! Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.
Ich werde weiterhin machen Dinge müssen. Ob ich sie aber auch „noch schnell“ erledigen werde, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Unter der weißen Decke geht im Moment sowieso alles nur langsam. Schön und gut so!

muss noch schnell


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