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Rotes Auge – oder: Wenn’s gar windig ist…

24.08.2018
Rotes Auge

Letzten Sonntag ist der Wind heftigst über mich hinweggefegt! Am nächsten Morgen war das linke Auge rot unterlaufen, hat getränt und sich zugleich trocken angefühlt, als wären Staubkörner drin. Weh getan hat es nicht, mein rotes Auge, trotzdem war ich ein paar Tage „von der Rolle“: müde, Kopfschmerzen und auch ein Schwindel hat sich mal wieder leicht bemerkbar gemacht. 
Am liebsten hätte ich mich hingelegt, die Augen zugemacht und nichts getan. Doch das konnte ich nicht – zumindest nicht komplett. Schließlich galt es dies und das zu erledigen, Termine wahrzunehmen und mich um Kunden und Projekte zu kümmern. Da mir aber klar war, dass mir mein Körper ganz klar etwas zeigen (!) wollte, hab ich mir immerhin längere Pausen gegönnt und beschlossen, die Abendtermine diese Woche abzusagen und es mir zuhause gemütlich zu machen. Denn genau das hatte mein rotes Auge nötig: Ruhe, Entspannung, Loslassen. Wobei es weniger das Auge selbst war, als vielmehr Galle und Leber. Diese beiden Organe werden sowohl in der westlichen als auch in der östlichen Medizin als Funktionseinheit betrachtet und laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) öffnen sie sich in den Augen. Dabei wird das rechte Auge eher der Leber zugeordnet und das linke Auge mehr der Galle. 

Schau mal. Mir ist klar, dass Mediziner vor „Eigendiagnosen“ und/oder Hausrezepten abraten. Ich versteh das auch. Allerdings ist mir das Thema „Augen“ nicht unbekannt. Vor bald sechs Jahren war es mein linkes Auge, das mir durch eine Art „Schleiersehen“ (westlich betrachtet, war die Rede von einer Sehnerventzündung) gezeigt hat, dass ich meine Ernährung um 180 Grad ändern muss: keine kalten Speisen, keine Rohkost, keine Milchprodukte und vor allem kein Verzicht mehr – obwohl ich zugebe, dass mir das Abschwören von Joghurt und Co. anfangs durchaus schwergefallen ist. Zusätzlich gab es Akupunktur und Kräutertherapie von meiner wunderbaren TCM-Ärztin, Tuina-Massagen, Yoga und vor allem eine generelle Veränderung der Art, wie ich mein Leben über viel zu viele Jahre gelebt hatte. Durch all das hat sich mein Körper in den vergangenen Jahren gut von den jahrelangen Strapazen der „Unterernährung“ erholt. Und ich bin ehrlich stolz auf mich!
Nichtsdestotrotz sind Leber und Galle nach wie vor meine, wenn man so will, „Schwachstellen“. Auch der Schwindel hatte unter anderem damit zu tun: So erzeugte ein sogenanntes Leber-Feuer (das z.B. durch zu viel Stress, innere Anspannung usw. ausgelöst werden kann) einen Leber-Wind, der mir mit einer immensen Heftigkeit in den Kopf geschossen ist und zum Drehschwindel geführt hat. 

Schau mal
(Zu) viel los. Leber und Galle mögen es überhaupt nicht, unter Zeitdruck zu stehen. Und das war bei mir in den letzten Wochen irgendwie ständig der Fall. Ich hatte andauernd das Gefühl, hinterherzurennen, und die 24 Stunden, die mir die Tage zu bieten hatten, reichten nie aus. Das Bedürfnis nach Ausruhen und Zeit für mich war riesig und wurde trotzdem nicht bedient. 
Ja, ich mag’s, wenn viel los ist, wenn neue Dinge anstehen, wenn sich was tut. Stillstand geht gar nicht. Und dabei weiß ich doch: Ohne dass ich mir auch bewusst Zeit für mich nehme, renne ich an mir vorbei. Und dann hat der Wind – das in meinen Augen unhimmlische Kind! – leichtes Spiel, wenn er mir von links kommt und mir ein rotes Auge beschert. 

HALT, STOP, aus die Maus! Einmal mehr machte mir also mein Körper mit aller Deutlichkeit klar: Schalt einen Gang runter, nimm Dir Zeit für Dich, bring den verminderten Gallenfluss wieder ins Laufen und lass die Leber wieder Blut und Lebensenergie Qi im ganzen Körper verbreiten. Wie? Durch suppig-saftig-saucige, warme, jedoch nicht zu heiße und zu scharfe Speisen. Durch Artischocken, denn die mag die Galle. Durch Rote Bete-Saft – den mag ich zwar nicht, aber er wirkt Blut aufbauend und das tut der Leber gut (was ich allerdings mag, sind „Rote Knödel“). Außerdem mögen Galle und Leber bewusst-sanfte Bewegung. Daher hab ich mich bei meiner Yogapraxis so richtig auf den Atem konzentriert, die einzelnen Übungen länger ausgekostet und dafür manch „anstrengende“ Asana ausgelassen. Abends hab ich mich auf die Couch gelegt oder gleich ins Bett und meinen Augen, meiner Galle und Leber viel Schlaf gegönnt.
JA, eigentlich weiß ich eh, was (immer) zu tun wäre. Doch es ist halt so eine Sache, die da zwischen dem Wissen und dem Tun liegt 😉 Schön, dass ich wieder im „richtigen Tun“ bin und mein rotes Auge nicht mehr rot sieht.

Rotes Auge wieder gut

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