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Warum Schweigen nicht immer goldig ist…

06.04.2018
Schweigen

„Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.“ Sagt ein altes Sprichwort und meint damit in gewisser Weise, dass Schweigen mehr wert ist als Reden. Und manchmal ist es wohl tatsächlich besser, man hält den Mund. Das Sprichwort wird mitunter aber auch in der Hinsicht interpretiert, dass auf einen verschwiegenen Menschen mehr Verlass sein soll als auf jemanden, der (zu) viel redet. Hmmm… Dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Ich meine, klar: Wenn Letzterer die falschen Dinge ausplaudert, trifft das sicher zu. Doch nur weil jemand nicht auf den Mund gefallen ist, heißt das ja noch lange nicht, dass er kein Geheimnis für sich behalten kann.  

Ganz schön schwer. Hin und wieder aber ist Schweigen weder Silber noch Gold, sondern fühlt sich vielmehr an wie Blei. Dann nämlich, wenn man damit „bestraft“ wird. Wenn andere Menschen einfach nicht (mehr) reagieren. Wenn nichts mehr zurückkommt, obwohl ein klärendes Gespräch oder wenigstens das eine oder andere erklärende Wort nötig wäre. Wenn nur noch Funkstille herrscht, weil der andere beschlossen hat, dass Schweigen die richtige „Antwort“ ist. Dann kann es richtig weh tun. Vor allem wenn es von Menschen kommt, denen man vertraut hat – oder besser gesagt, von denen man geglaubt hat, dass man ihnen vertrauen kann. Und oft ist es mit dem Schmerz nicht getan. NEIN. Viele geben sich nämlich selbst die Schuld oder suchen bei sich nach der Ursache des Schweigens des anderen.
Bei mir war das ganz lange ganz genau so. Was immer zuvor passiert war: Wenn keine Reaktion mehr kam, hab ich mir den Kopf darüber zerbrochen, warum und wieso und weshalb und vor allem: Was hab ich getan? Und klar war ich hin und wieder nicht im Recht oder hab Mist gebaut. Aber warum dann Schweigen? Ich hab’s damals nicht kapiert und tu es jetzt nicht. 

Schweres Schweigen

Sag was. Auch heute gibt es Menschen in meinem Umfeld, die plötzlich schweigen. Allerdings suche ich nun die Schuld nicht mehr bei mir – nicht für das Schweigen anderer! Das ist deren Entscheidung – nicht meine! 
Fakt ist: Menschen, die mich mit Schweigen bestrafen wollen, kennen mich nicht. Denn wer mich kennt, der weiß, dass man mit über alles reden kann. Oder gern auch streiten. Oder mich kritisieren – obwohl ich im ersten Moment vielleicht eingeschnappt reagiere… irgendwann kapier ich es und nehm die Kritik an 😉 . 

Nicht OK. Nein, heute such ich nicht mehr bei mir die Schuld. Sehr wohl aber frag ich mich: Warum treten nach wie vor Menschen in mein Leben, die mit Schweigen antworten? Was sende ich aus, sodass ich schweigende Menschen immer wieder anziehe? Werde ich diesen Menschen dann „zu viel“? und wenn das so sein sollte, könnte ich das ändern? Würde ich das überhaupt ändern wollen? Oder würde das bedeuten, dass ich mich verändere, nur weil ein paar Menschen rund um mich herum schweigen? Ist es nicht so, dass es da ganz viele andere gibt, denen ich nicht „zu viel“ bin? Wann ist viel eigentlich zu viel?
Frag ich zu viel? 😀
Auf diese Fragen habe ich (noch) keine Antworten. Sobald ich sie habe, geb ich gern Bescheid. Im Moment weiß ich nur: Wenn jemand schweigt, ist etwas vorgefallen. Gut möglich, dass ich etwas getan habe, das den anderen verletzt hat. Vielleicht aber hat das Schweigen gar nichts mit mir zu tun. Vielleicht ist im Leben des anderen etwas vorgefallen, das gar nichts mit mir zu tun hat. Doch was auch der Grund für das Schweigen sein sollte: Es ist nicht OK.  

Oder wie siehst Du das?

Schweigen macht zu

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4 Kommentare

  • Antworten Anja 06.04.2018 at 13:10

    Also ich bin ein Mensch der immer seine ehrliche Meinung offen sagt. Ich nehme mir einfach kein Blatt mehr vor dem Mund… Wenn ich jedoch mal nichts mehr sage und einfach nur still bin, dann kann man sicher sein das ich wirklich von der Person enttäusch bin und sauer. Da brauch ich dann auch mal einen Moment um das alles runter zu schlucken und mich auf ein weiteres Gespräch einzulassen… Aber Menschen die immer schweigen versteh ich nicht. Ich persönlich finde es nicht fair jemanden im Dunklen tappen zu lassen. Daher ist Reden für mich Gold!
    Lg Anja

    • Antworten iane 06.04.2018 at 13:19

      Ja, liebe “goldige” Anja – ich hätte es auch nicht anders von Dir erwartet 😉
      Ich versteh schon, dass man mal eingeschnappt sein kann, mal kurz nichts sagt bzw. einfach nichts mehr sagen kann und auch nicht möchte. Das ist bei mir sicher auch hin und wieder der Fall. ABER eben: Irgendwann muss man auch wieder mal den Mund aufmachen. Totschweigen ist einfach keine Lösung.
      DANKE dafür, dass Du einmal mehr auch hier nicht geschwiegen hast 😀
      Alles Liebe, Iane

  • Antworten Anne Lie 19.04.2018 at 09:18

    Das Schweigen hinterfragen…
    Manche schweigen, weil sie in dem Moment keine Antwort wissen, sich “überfahren” fühlen, etwas Zeit brauchen zum verarbeiten.
    Dann gibt es Menschen, die wurden zum Schweigen gezwungen, erzogen… “Schweig still!” , “Kein Wort mehr!” , “Ich will jetzt nichts mehr von Dir hören!” … usw.
    die einfach Angst haben, dass man sie und ihre Meinung nicht wertschätzt.
    Und ich glaube davon gibt’s recht viele sogar.
    Denen der Mut fehlt, an denen der Zweifel nagt. Sie bewundern “offene” Menschen für die Klarheit der Worte, fühlen sich dadurch angezogen… um das für sich zu integrieren, was leider oft nicht gelingt. Weil beiden Seiten die Geduld fehlt…

    Manchmal ist jedoch alles gesagt und es hängen die Taten “schwer wie Blei” im Raum und es wäre tatsächlich jedes Wort zu viel.
    Dann hält es der Weise so…
    Er gestattet sich weder den Verlust von Menschen, noch von Worten (weil Worte auch Energie sind) und geht.
    Durch die “Lücke” kann eine zu emotionale Situation deeskaliert und manchmal schlimmeres vermieden werden.

    Worte weise einzusetzen und durch die “3 Siebe” (ist es sinnvoll, wem nützt es und ist es liebevoll) zu sieben, wäre schön.
    Noch schöner ist es sich mit Menschen zu umgeben, denen man sich nicht erklären oder übersetzen muss. Die auch ohne Worte verstehen… wo es egal ist, was man sagt, ungefiltert…
    Solch einen Menschen wünsch ich jedem! 🍀

    • Antworten iane 19.04.2018 at 09:30

      Was für schöne weise Worte, liebe Anne Lie!
      Ja, es stimmt natürlich, dass es ganz viele unterschiedliche Formen von Schweigen gibt – genauso wie es ganz unterschiedliche Menschen gibt. Und man muss immer auch den anderen sehen, sehen, was sich in seinem Leben tut, was in seinem Leben passiert ist. Manchmal aber können wir das nicht, weil wir nicht genügend Einblick haben. Auch das ist OK, denn wir können ja nie ganz in einen anderen Menschen hineinblicken – sei er uns noch so nah.
      Und es ging mir auch nicht darum, das Schweigen anderer “anzuprangern”! Nichts läge mir ferner, denn es ist immer die Entscheidung des anderen, wie er reagiert.
      Es war bei mir aber eben ganz lange so, dass ich mir selbst die Schuld für das Schweigen anderer gegeben habe. Ausschließlich bei mir nach den Fehlern gesucht habe. Und DAS tue ich nicht mehr. Natürlich überlege ich mir, ob ich etwas “falsches” gesagt oder getan habe und klopfe beim anderen an, ob man reden möchte oder nicht, ob man sich ausreden möchte oder nicht. Wenn ich weiß, dass ich etwas falsch gemacht habe, dann stehe ich dazu, dann entschuldige ich mich. Wenn der andere dann aber weiterschweigt, dann ist das seine Entscheidung. OK find ich es in dem Fall trotzdem nicht, weil ich eben einer dieser offenen Menschen bin.

      DOCH Deine letzten Worte haben mich am allermeisten berührt und ich bin Dir sehr dankbar dafür. Menschen, mit denen man schweigen kann. Menschen, bei denen man sich nicht jedes Wort drei Mal überlegen muss, bevor man es laut oder von Herzen ausspricht. Menschen, die einen innerlich wie äußerlich wärmen. Und denen man all das zurückgeben kann.
      DANKE und alles Liebe für Dich

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