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Seelenmuskel: Wenn Veränderung weh tut

29.06.2018
Seelenmuskel

Seit Wochen plagen mich immer wieder mal Kreuz- und Hüftschmerzen – zumindest war ich bis vor Kurzem der Meinung, dass es sich um solche handelt, da es mir halt „in dieser Gegend“ weh tut. Mal rauschen Schmerzen durch meine Körpermitte, wenn ich nur einen unüberlegten Schritt tue oder mich (falsch) bücke. Mal spüre ich gar nichts – übrigens sehr oft, wenn ich auf der Yogamatte stehe. Mittlerweile bin ich jedoch davon überzeugt, dass es eben nicht das „klassische“ Kreuz mit dem Kreuz ist, sondern dass mein Seelenmuskel leidet.

Muskulöser Tausendsassa. Der „Muskel der Seele“ heißt an sich Musculus Psoas Major (lat. für großer Lendenmuskel) und befindet sich ganz tief in der Hüftmuskulatur. Er hat seinen Ursprung am zwölften Brustwirbel, setzt sich über die fünf Lendenwirbel fort, vereinigt sich mit dem Darmbeinmuskel und endet schließlich, umhüllt von Faszien, am oberen Teil des vorderen Oberschenkelknochens. Der Psoas zieht sich also vom unteren Rücken bis nach vorne zu den Beinen – und jetzt kommt’s: Er ist der einzige Muskel, der das tut. Sprich: Der einzige Muskel, der die Wirbelsäule mit den Beinen verbindet. Und wir haben es nur dem Psoas zu verdanken, dass wir unsere Beine heben und somit gehen können. Er unterstützt uns dabei, Haltung und Gleichgewicht zu bewahren, ermöglicht es uns, die Hüfte zu öffnen (wobei das bei mir eher weniger der Fall ist 😉 ) und schützt zudem die Organe im Bauchraum.

Seelenmuskel Psoas 

Und warum Seelenmuskel? Weil er außerdem aufgrund seiner direkten Verbindung zum Zwerchfell, zur Atmung und zum zentralen Nervensystem daran beteiligt ist, unseren Geist mit Sauerstoff zu versorgen. Das funktioniert bestens, solange alles wie am Schnürchen läuft. Wenn das aber nicht der Fall ist, wenn wir gestresst oder angespannt sind, vor Wut kochen oder unsere Seele in einer anderen Art und Weise leidet, halten wir nicht nur unseren Atem an, sondern spannen wir meist auch unseren Muskeln an – insbesondere den Psoas. 
Allein: Ich war in letzter Zeit alles andere als unglücklich oder übermäßig gestresst. Allerdings hat unser Körper zwei unglaubliche „Fähigkeiten“: Zum einen neigt er dazu, Dinge und Erinnerungen zu speichern – man denke nur an das Schmerzgedächtnis. Zum anderen kann er vor allem psychische Belastungen recht lange kompensieren. Und so mag es nicht verwundern, wenn es mitunter eine Zeit dauert, bis sich etwa Schmerzen zeigen. 

Lass los. Als ich mit meiner TCM-Ärztin darüber gesprochen habe, waren wir uns einig: Es geht darum, Rückgrat zu beweisen, zu mir selbst zu stehen und für mich selbst einzustehen. Ich stecke mitten in der Veränderung und darf Dinge beenden, um neue Wege zu gehen. Doch das Abschließen alter Aufgaben zieht sich länger, als ich dachte, und das bereitet mir körperliche Schmerzen. 
Und plötzlich war mir klar, dass es wieder einmal ein „Leber-Thema“ ist (auch der Schwindel war in meinem Fall und aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin der Leber zuzuordnen). In der TCM gilt die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit als eine der besonderen Qualitäten der Leberenergie. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere: Wir haben Werte und Glaubenssätze, an denen wir festhalten, obwohl wir sie aufgrund neuer Erfahrungen und Entwicklungen in den Wind schießen könnten. Halten wir dauerhaft an alten, einschränkenden Programmen fest, grenzen wir uns nicht davon ab, um uns für neue Dinge zu öffnen, können Gefühle wie Ärger, Zorn und Wut hochkommen. Und speziell Letztere ist laut TCM sehr eng mit der Muskelkraft verbunden. Womit wir wieder beim Psoas wären, denn es macht mich tatsächlich wütend, dass ich manchmal immer noch auf den alten Pfaden wandle…

Seitdem mir das bewusst ist, geht es mir ein großes Stück besser. Die Schmerzen sind noch da, aber ich weiß jetzt, dass es tatsächlich und (wieder einmal) einzig und allein in meiner Hand liegt, mich davon zu befreien. Und mit jedem Tag, an dem ich alte Dinge loslasse, entspannt sich mein Seelenmuskel.  

Yoga für den Seelenmuskel

Fotocredits: Erbsenprinz 💚

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6 Kommentare

  • Antworten Pam 01.07.2018 at 23:11

    Super schöner Artikel!!! 🙏🏼

    • Antworten iane 02.07.2018 at 07:11

      DANKE liebste Pamela 🙂

  • Antworten Sandra 02.07.2018 at 13:02

    Sehr schön geschrieben. DANKE dafür ❤

    • Antworten iane 02.07.2018 at 13:52

      DANKE für Dich, meine Seelenschwester!!!!!

  • Antworten Anja 03.07.2018 at 21:05

    sobald ich unter Druck stehe oder mir Stress mache, schmerzt bei mir die Schulter…
    Yoga hilft mir da auch sehr. 🙂

    • Antworten iane 04.07.2018 at 07:02

      Oh ja, das ist wohl auch so ein Ding, von dem ganz viele ein Schmerzenslied singen können. Da lasten dann wohl Stress und Anspannung und Druck im wahrsten Sinne auf den Schultern und drücken einen nieder… Doch Du bist Dir dessen bewusst und das ist in meinen Augen ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Heilung!.
      Und wie wunderbar, dass Dir Yoga dabei hilft – ich find es einfach herrlich, was für schöne Werkzeuge uns diese Praxis gibt. Alles Liebe und Namaste

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